url: http://www.jungewelt.de/2007/03-24/062.php
Prozeß wegen fahrlässiger Tötung
Nach Feuertod im Polizeigewahrsam vor zwei Jahren stehen zwei Beamte in
Dessau vor Gericht
Von Andrea Henschel
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt am kommenden Dienstag
vor
dem Landgericht Dessau der Prozeß um den Tod des Asylbewerbers Oury
Jalloh. Der 21Jährige aus Sierra Leone starb vor mehr als zwei Jahren
einen qualvollen Feuertod in einer Polizeizelle.
Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 mit Händen und Füßen an die
Zellenpritsche im Dessauer
Polizeigewahrsam gefesselt worden, weil er Widerstand gegen die Beamten
geleistet haben soll. Oury Jalloh soll den Ermittlungen zufolge mit
seinem
Feuerzeug eigenhändig die Matratze in Brand gesetzt haben– obwohl er
gefesselt war. Laut den Ermittlungen hat der zuständige
Dienstgruppenleiter Andreas S. den Feueralarm zunächst zweimal
ignoriert,
obwohl er von seinem Dienstzimmer aus nicht einmal eine Minute bis zur
Zelle gebraucht hätte. Erst als auch der Lüftungsschalter Alarm
meldete,
begab er sich zu den im Keller liegenden Zellen. Anschließende
Rettungsversuche scheiterten jedoch wegen des zu starken Qualms. Der
46jährige Beamte muß sich daher wegen Körperverletzung mit Todesfolge
vor
Gericht verantworten, sein mitangeklagter Kollege Hans-Ulrich M., der
für
die Durchsuchung des Asylbewerbers zuständig war und das Feuerzeug
übersehen haben soll, wegen fahrlässiger Tötung.
Der Vorfall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und heftige
Kritik
an der ermittelnden Justiz ausgelöst. Initiativen zum Gedenken an Oury
Jalloh, die regelmäßig Mahnwachen und Demonstrationen organisieren,
warfen
dem Landgericht eine versuchte Verschleppung des Verfahres vor. Die
Gedenkinitiative will den Prozeß kritisch begleiten – dazu haben sich
eine
Reihe internationaler Beobachter, darunter Menschenrechtsaktivisten und
Rechtsanwälte, angekündigt. Zum Verfahren wird auch die Mutter des
Opfers
als Nebenklägerin erwartet.
(AFP/jW)
url:
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1173804592356&openMenu=1012902958597&calledPageId=1012902958597&listid=1018348861777
nie vergessen
Prozess um Feuertod von Afrikaner beginnt am Dienstag
Kirche mahnt zur Gewaltlosigkeit - Auseinandersetzungen befürchtet
erstellt 23.03.07, 16:50h
Polizeizelle in Dessau
Oury Jallow verbrannte in dieser Polizeizelle in Dessau. (Foto:
MZ-Arch
Prozeß wegen fahrlässiger Tötung
Nach Feuertod im Polizeigewahrsam vor zwei Jahren stehen zwei Beamte in
Dessau vor Gericht
Von Andrea Henschel
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt am kommenden Dienstag
vor
dem Landgericht Dessau der Prozeß um den Tod des Asylbewerbers Oury
Jalloh. Der 21Jährige aus Sierra Leone starb vor mehr als zwei Jahren
einen qualvollen Feuertod in einer Polizeizelle.
Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 mit Händen und Füßen an die
Zellenpritsche im Dessauer
Polizeigewahrsam gefesselt worden, weil er Widerstand gegen die Beamten
geleistet haben soll. Oury Jalloh soll den Ermittlungen zufolge mit
seinem
Feuerzeug eigenhändig die Matratze in Brand gesetzt haben– obwohl er
gefesselt war. Laut den Ermittlungen hat der zuständige
Dienstgruppenleiter Andreas S. den Feueralarm zunächst zweimal
ignoriert,
obwohl er von seinem Dienstzimmer aus nicht einmal eine Minute bis zur
Zelle gebraucht hätte. Erst als auch der Lüftungsschalter Alarm
meldete,
begab er sich zu den im Keller liegenden Zellen. Anschließende
Rettungsversuche scheiterten jedoch wegen des zu starken Qualms. Der
46jährige Beamte muß sich daher wegen Körperverletzung mit Todesfolge
vor
Gericht verantworten, sein mitangeklagter Kollege Hans-Ulrich M., der
für
die Durchsuchung des Asylbewerbers zuständig war und das Feuerzeug
übersehen haben soll, wegen fahrlässiger Tötung.
Der Vorfall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und heftige
Kritik
an der ermittelnden Justiz ausgelöst. Initiativen zum Gedenken an Oury
Jalloh, die regelmäßig Mahnwachen und Demonstrationen organisieren,
warfen
dem Landgericht eine versuchte Verschleppung des Verfahres vor. Die
Gedenkinitiative will den Prozeß kritisch begleiten – dazu haben sich
eine
Reihe internationaler Beobachter, darunter Menschenrechtsaktivisten und
Rechtsanwälte, angekündigt. Zum Verfahren wird auch die Mutter des
Opfers
als Nebenklägerin erwartet.
(AFP/jW)
url:
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1173804592356&openMenu=1012902958597&calledPageId=1012902958597&listid=1018348861777
nie vergessen
Prozess um Feuertod von Afrikaner beginnt am Dienstag
Kirche mahnt zur Gewaltlosigkeit - Auseinandersetzungen befürchtet
erstellt 23.03.07, 16:50h
Polizeizelle in Dessau
Oury Jallow verbrannte in dieser Polizeizelle in Dessau. (Foto:
MZ-Arch

