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picasso picasso a écrit le 23 novembre 2005 à 16h36
ESPANYOL-TORWART KAMENI

Der Kahn aus Kamerun

Von Ronald Reng

Bereits mit 16 hatte Carlos Kameni etwas erreicht, was den meisten anderen Fußballern nie vergönnt sein wird - er wurde Olympiasieger. Inzwischen hat sich der Kameruner als einer der besten Torhüter Europas etabliert. Bei einem Spitzenclub spielt er dennoch nicht.

Das Interview beginnt mit ganz ungeahnten Schwierigkeiten. Luca, der zweijährige Sohn von Carlos Kameni, entführt Kugelschreiber und Notizblock des Reporters. "Luca!", ruft Kameni ihm noch hinterher, aber der Junge ist schon auf dem Trainingsgelände des spanischen Uefa-Cup-Starters Espanyol Barcelona. Zum Glück hat Luca den Rekorder übersehen. So kann doch noch dokumentiert werden, was sein Vater erzählt.


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Er bedarf, zumindest in Deutschland, einer Einführung: Carlos Kameni, 21, aus Kamerun, acht Geschwister. Einen Fußball hat er nie besessen, der Vater duldete keinen. Seine Kinder sollten lernen. Olympiasieger mit 16, Held des Elfmeterschießens 2000 im Finale von Sydney gegen Spanien. Afrikas Torwart des Jahres. Sprungkraft, Explosivität - phänomenal. Ein leiser, freundlicher Mann, der in sich ruht, noch immer so jung und doch schon altersweise. Er wurde bereits als Kind erwachsen: Mit 13 ging er nach Frankreich, allein, ins Fußballinternat Le Havre. Carlos Kameni. Schon bald wird manch einer sagen: der beste Torwart der Welt.

"Guten Morgen!", sind seine ersten Worte, was nicht nur überrascht, weil es schon Mittag ist, sondern weil er sie auf Deutsch sagt. Ein kleines Erbe aus den Jahren, als Winfried Schäfer Kameruns Nationaltrainer war und Kameni mit 19 das Tor anvertraute. "Er erinnert mich an Oliver Kahn", sagte Schäfer. An gute Torhüter denkt man nicht zwangsläufig, wenn von Afrika die Rede ist, einem Kontinent, der das Dribbling vergöttert.

Doch war der erste afrikanische Weltklassefußballer ein Torwart: Thomas N'kono. Bei der WM 1982 in Spanien ließ er in der Vorrunde gegen Italien, Peru und Polen nur ein Tor zu, keine Niederlage: Thomas N'kono aus Kamerun, der in der spanischen Hitze lange Torwarthosen trug, weil er es sich auf den steinigen Sportplätzen zu Hause so angewöhnt hatte. Er war das Gesicht, das Afrikas Aufstieg im Fußball ankündigte. 23 Jahre hat es gedauert, bis wieder ein Weltklassetorwart aus Afrika kommt. Man nennt es wohl Schicksal, dass sein Mentor N'kono ist.
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